Dienstag, 21. Mai 2013

Heute ist es soweit - erster Warnstreik in katholischer Klinik

Am heutigen Dienstag, den 21.5.2013 treffen sich die Streikenden um 9:00 in der Burtscheider Fußgängerzone vor dem „Haus des Gastes", um anschließend mit einer Demonstration durch die Burtscheider / Aachener Innenstadt auf ihre Situation aufmerksam zu machen.

Kontakt:
Harald Meyer, Gewerkschaftssekretär, 0170 85 77 187


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Kommentare:

  1. Bei allem Verständnis für das Anliegen von ver.di, höhere Gehälter auszuhandeln: Rechtsträger der Einrichtung ist die Schwertbad GmbH. Bis 2005 war sie im Besitz von mehreren privaten Gesellschaftern. Dann wurde sie (als weiterhin selbständige GmbH) von den Franziskanerinnen (heute: Marienhaus Unternehmensgruppe) geschluckt. Damals hat übrigens kein Hahn danach gekräht, als 27 KüchenmitarbeiterInnen entlassen wurden.

    Das Haus war nie kirchlich und nie katholisch!

    Es gibt einen Betriebsrat, dem 12 Jahre lang nicht aufgefallen ist, dass nebenan in der "Rheumaklinik" (katholisch, MAVO anwendend, AVR zahlend und ebenfalls der Marienhaus-Holding zugehörig) bis zu 500 Euro monatlich (!) mehr gezahlt wurde. Stattdessen akzeptiere man einen nie dynamisierten Uralt-Tarifvertag aus Hessen.

    Die hatten da immer schon ein Streikrecht !!!!!!

    Die Schlagzeilen, die ver.di jetzt generiert sind unredlich. Sorry.

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  2. Liebe(r) Aachener,
    Ihr Kommentar liegt leider genau auf der Linie vieler "kirchlicher" Arbeitgeber, die ihre Einrichtung je nach Lust und Laune (oder sollte man sagen: nach höherem Vorteil) entweder als "kirchlich" oder als "weltlich" bezeichnen, und dann sogar für die gleichen Einrichtungen unterschiedliche Zuordnungen angeben. Dieses Verhalten ist unredlich, nicht der Einsatz der ver.di Kolleginnen und Kollegen für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne.
    Lassen Sie mich - als Mitglied der ver.di Fachkommission Kirchen auf Bundesebene - drei Punkte klar stellen:

    1.
    Mit der Eingliederung in die Marienhaus Unternehmensgruppe 2005 ist die Schwertbad Klinik genauso viel oder genauso wenig "kirchliche Einrichtung" geworden, wie alle anderen Einrichtungen der Gruppe auch.
    Ende 2011 haben die Waldbreitbacher Franziskanerinnen ihre Einrichtungen in die Marienhaus Stiftung überführt. Auch die Franziskanerinnen von der Hl. Familie Mayen e.V. haben ihre Einrichtungen, die in der Franziskus Hospital und Pflegezentren gGmbH und deren Tochter- und Beteiligungsgesellschaften organisiert waren, in die Marienhaus Stiftung überführt. Es handelt sich um einen Konzern, der alle konzernrechtlichen Definitionen erfüllt.
    Zu diesem Konzern gehören die Marienhaus Holding GmbH, die Marienhaus Kliniken GmbH, die Marienhaus Senioreneinrichtungen GmbH und die Marienhaus Dienstleistungen GmbH. Die Marienhaus Holding GmbH ist für die Integration und Steuerung der Marienhaus Unternehmensgruppe verantwortlich, die
    •20 Krankenhäuser (an 32 Standorten)
    •29 Alten- und Pflegeheime
    •5 Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen
    •9 Hospize
    •9 weitere Einrichtungen und
    •10 Bildungseinrichtungen umfasst.
    Die Einrichtungen liegen in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland, insgesamt arbeiten in der Trägerschaft etwa 13.800 Frauen und Männer.

    Wenn Sie schreiben, dass innerhalb der "Marienhaus-Holding" bis zu 500,- Euro monatliche Gehaltsunterschiede bestehen, dann ist das unredlich - von diesem kirchlichen Wohlfahrstkonzern. Der hätte in den letzten Jahren genug Gelegenheit und Zeit gehabt, diese unredliche Vergütungsstruktur zu beenden.

    2.
    Ver.di ist in allen Einrichtungen des Konzerns streikberechtigt. Oder wollen Sie behaupten, dass in einer einzigen der dort angewendeten Mitarbeitervertretungsordnungen oder einer einzigen der "zuständigen" arbeitsrechtlichen Kommissionen eine koalitionsmäßige Beteiligung von ver.di gesichert ist, wie das Bundesarbeitsgericht (BAG) im November gefordert hat?

    3.
    Die katholischen Arbeitgeber sollten froh sein (und honorieren), dass ver.di den Streik nur nach dem "ultima ratio Prinzip" anwendet. Ver.di hat auch bei der Schwertbad GmbH sehr viel Geduld gezeigt. Es gibt im Übrigen genug katholische Einrichtungen, in denen dieses Prinzip angewendet werden könnte. Man braucht nur die Kircheninfos von ver.di aus den letzten Jahren aufmerksam zu lesen. Und dabei handelt es sich nicht um vereinzelte "schwarze Schafe". Vielmehr scheint ein immer größerer Teil der Herde "in der Wolle schwarz gefärbt" zu sein.

    Ver.di wird dementsprechend in absehbarer Zeit auch in anderen "katholischen Einrichtungen" zum Streik aufrufen. Und die Frage, ob dort irgendeine (auch selbst gestrickte) MAVO angewendet wird, dürfte für eine entsprechende Entscheidung absolut unrelevant sein.

    Mit freundlichen Grüßen
    Erich Sczepanski

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  3. Werter Kollege,
    wir stimmen doch völlig überein. Wann immer abhängig Beschäftigte eine Verbesserung ihrer Löhne und Arbeitsbedingungen durchsetzen wollen, dann sollten sie auch zu Arbeitskampfmitteln greifen. Unabhängig davon, ob sie "dürfen" oder nicht. Und egal unter welcher Flagge ihr Betrieb unterwegs ist.
    Aber: Wenn man sich erst nach mehr als einem Jahrzehnt der Tatenlosigkeit darauf besinnt, katholisch zu sein und, weil's grad so gut in die Zeit passt, das Unchristliche des Arbeitgebers als Hauptargument ins Feld führt, dann finde ich es schon befremdlich.
    Die Lohn-Schweinereien an sich gehören an den Pranger. Vor die Glaspaläste der Rentenversicherungs- und Krankenkassen sollte man ziehen, aber doch nicht am Haus des Bischofs vorbei.

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    1. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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    2. Lieber "Aachener",
      "vor die Glaspaläste der Rentenversicherungs- und Krankenkassen sollte man ziehen ..." stimmt, ja, aber warum "doch nicht am Haus des Bischofs vorbei"?

      Die kirchlichen Wohlfahrtsverbände tragen mit ihrer Weigerung, sich an allgemein verbindlichen Tarifverträgen zu beteiligen, zur Misere bei. Solche "allgemein verbindliche Tarifverträge" würden alle Anbieter zwingen, angemessene Löhne zu zahlen. Das Tarifvertragsgesetz (das auch für die Kirchen gilt) verlangt aber als Voraussetzung, dass "mindestens 50 % der Beschäftigten" in der entsprechenden Branche "tarifgebunden" sind. Und diese Tarifbindung lässt sich nur mit Caritas und/oder Diakonie erreichen.

      Die Bischöfe, die der Caritas eine solche Beteiligung untersagen, tragen also maßgebliche Verantwortung. Und daher ist es richtig, auch den Aachener Bischof an seine maßgebliche Verantwortung zu erinnern - und auch am Haus des Bischofs vorbei zu ziehen.

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  4. Lieber "Aachener",



    das Unchristliche einer Einrichtung, für welche eine katholisches Organisation die Verantwortung trägt, öffentlich zu machen, passt in jede Zeit, ob heute, vor zehn oder 1000 Jahren. An den Pranger stellte man es leider vor 1000 Jahren nicht...

    ...allerdings ist dieser auch zum Glück abgeschafft und wir haben legitimierte Grundrechte, die für jeden Menschen gelten sollten.



    Die Kolleginnen und Kollegen der Schwertbad-Klinik haben sich organisiert, wie es viele andere Menschen in den Betrieben auch tun sollten oder bereits getan haben. Das dauert manchmal seine Zeit und manchmal "passt" es dann gerade richtig.



    Ich bin froh, dass die Kollegen sich organisiert haben und ziehe meinen Hut vor dem Mut, auf die Straße zu gehen und sich endlich zu wehren.



    Den Ausführungen des Kollegen Szepanski möchte ich sonst nichts hinzufügen - damit ist alles gesagt, außer noch dem Hinweis zum falschen Inhalt Ihres ersten Kommentars: die benachbarte Rheumaklinik wendet NICHT den AVR an, sondern den originären mit ver.di verhandelten TVöD. Soviel zur Stringenz des in der katholischen Kirche praktizierten "Arbeitsrecht".



    Harald Meyer

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  5. Wenn da wirklich jemand glaubt, dass wir uns das über 10 Jahre still schweigend angesehen haben, dann ist er von einem anderen Stern.
    Der Arbeitgeber ist in all den zurückliegenden Jahren immer wieder gebeten worden an der Vergütung etwas zu tun, da für alle die Kosten steigen und wir nur mit vernünftigen Löhnen neue Mitarbeiter gewinnen können.
    Genau so lange hat er immer wieder Ängste geschürt und falsche Hoffnungen geweckt. Ängste in Form von Kollegen und Kolleginnen die über Jahre mit befristeten Verträgen abgespeist wurden, Hoffnungen mit einem Neubau der die Arbeitsbedingungen und vor allem die Therapiebedingungen verbessern sollte. Keine der Versprechungen wurden eingehalten. In den zurückliegenden Jahren wurde bis auf einen Tankgutschein und einer Einmalzahlung (in 2010) von netto ca. 200 bis 300 Euro nicht an Wertschätzung den Mitarbeitern gegenüber gezeigt. Nicht zuletzt das sicher nett gemeinte Reiseangebot aus dem Konzern, wenn die junge Mutter die hier arbeitet sich ständig fragt "hab ich genug für Schulgeld, Mittagessen Kindergarten ist auch nicht umsonst, dann stellt sich die Frage flieg ich für 699,-€ oder auch für 1000,-€ nach Dubai eben gerade nicht, weil man diese schlichtweg nicht übrig hat.
    Verwundert es da, dass es seine Zeit braucht um den Mut zu finden sich zu wehren? Wahrscheinlich ist es bei vielen der Mitarbeiter purer Kampf ums überleben. Dem Vermieter ist es egal, der fragt nicht "arbeiten sie beim Schwertbad? sie zahlen 100 €uro weniger als andere Mieter" Im Supermarkt interessiert es auch niemanden. Arbeiten für einen Hungerlohn und Aufstockung durch ALG II das kann es doch nicht sein?
    Glück für den, der in einem Unternehmen beschäftigt ist, wo fairer Lohn für gute Arbeit gezahlt wird.
    Glück für die Patienten im Schwertbad, von denen trotz ständiger Unterbesetzung und starker Überarbeitung der Kollegen noch keiner zu Schaden gekommen ist.

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  6. Diese Form der "sozialen Gerechtigkeit hat ein Gesicht: Vorsitzende des Vorstandes der Marienhaus Stiftung, Sr. Basina Kloos, ist Bundesverdienstkreuzträgerin 1. Klasse. Sie erhielt 2009 den Paul-Wust-Preis für (Zit. Wikipedia):

    "ihr Wirken aus christlicher Verantwortung in den Herausforderungen für das Sozialwesen in der modernen Gesellschaft, die sie in führenden Funktionen der Leitung und Verantwortung in der Ordensgemeinschaft und in der St. Elisabeth GmbH/Marienhaus GmbH, Waldbreitbach wahrnimmt. Ihr Engagement für eine soziale und gerechte Gesellschaft verbindet sich mit dem Wunsch, dass soziale Einrichtungen auch in Zukunft nach christlichen Maßstäben geführt werden."

    Vor den geschilderten Entwicklungen - nicht nur im Aachener Schwertbad - ist das für mich blanker Zynismus. Wenn eine qualifizierte Vollzeitpflegekraft im Schwertbad mit weniger als 1200,00 Euro netto Monatsgehalt eine Familie über den Monat brngen soll - und das seit mehr als zehn Jahren ohne Anpassung - hat das nichts, rein gar nichts - mit sozialer Gerechtigkeit zu tun. Es ist eine tägliche Ohrfeige ins Gesicht der Mitarbeiter.

    Ein verärgerter Aachener Bürger

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  7. siehe dazu auch http://www.caritas-verdi.blogspot.de/2013/06/ctt-und-tariftreue-ctt-kliniken-wollen.html

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