Dienstag, 6. Dezember 2016

Operation Entlastung

Unser Arbeitsleben wird immer schneller. Aufgaben ändern sich, der Druck wächst, immer mehr Beschäftigte berichten von Stress und Überforderung. „Höheres Entgelt ist eine Sache, aber die Beschäftigten machen deutlich, dass ihnen zunehmend auch Regelungen zur Arbeitszeit und Entlastung wichtig sind“, sagt Norbert Reuter, Leiter der tarifpolitischen Grundsatzabteilung des ver.di-Bundesvorstands. In immer mehr Tarifverträgen verschiedenster Branchen werden Regelungen zur Entlastung der Beschäftigten vereinbart, eine Reaktion auf sich wandelnde Anforderungen und immer mehr Arbeitsverdichtung.
So fehlen beispielsweise nach ver.di-Berechnungen bundesweit 162.000 Stellen in Krankenhäusern. In allen Berufsgruppen der Krankenhäuser ist mehr Personal nötig, um eine gute Versorgung der Patienten gewährleisten zu können, allein in der Pflege fehlen 70.000 Stellen. Nicht nur die Patienten leiden unter der Personalnot, auch die Beschäftigten. Im ver.di-Fachbereich Gesundheit und soziale Dienste ist deshalb eine bundesweite Tarifbewegung für einen Tarifvertrag Entlastung angelaufen. ver.di fordert mehr Personal, verlässliche Arbeitszeiten und einen Belastungsausgleich. Zwar hält die Gewerkschaft weiter daran fest, dass die Politik für ausreichend Personal und damit für eine sichere Versorgung der Patient/innen sorgen muss. Aber gute Arbeitsbedingungen werden üblicherweise in Tarifverträgen geregelt.
Vorbild Charité

Montag, 5. Dezember 2016

Fernsehtipp: Wir Sklavenhalter

Heute (Montag, 5. Dezember 2016) um 23:30 Uhr in den ARD: "Wir Sklavenhalter"!

Der ARD-Film »Wir Sklavenhalter« stellt Beispiele moderner Sklaverei in Deutschland vor. Zur Lage der Werkvertragsarbeiter in der Fleischindustrie äußert sich am Montag (5. Dezember) ab 23.30 Uhr im Ersten unter anderem Prälat Peter Kossen aus Vechta.Die Journalistin Joanna Michna hat Kossen zur Situation im Oldenburger Land befragt. Der scheidende stellvertretende Leiter des Bischöflich Münsterschen Offizialats Vechta engagiert sich seit Jahren gegen den Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen.Die Dokumentation stellt die Lage der Schlachtarbeiter dar, außerdem die Situation von Pflegekräfte in Privathaushalten, von Zwangsprostituierten und von Flüchtlingen, die Gefahr laufen, »Schattenarbeiter« zu werden. Nach der Sendung ist der Film im Internet in der ARD-Mediathek abrufbar. 
Quelle: Katholisches Online-Magazin "Kirche und Leben"

Auch die ARD macht mit einem Papst-Zitat für die sehenswerte Sendung:
Im vergangenen Jahr hat Papst Franziskus den Menschenhandel als "eine schädliche Plage, unwürdig einer zivilen Gesellschaft" bezeichnet und anlässlich des Welttages zur Abschaffung der Sklaverei Anfang Dezember gemeinsam mit Spitzenvertretern anderer Kirchen und Weltreligionen eine Erklärung unterzeichnet. Darin wird jede Form von Menschenhandel als Verbrechen gegen die Menschheit und als moderne Form der Sklaverei verurteilt, eingeschlossen Zwangsarbeit, Zwangsprostitution und Organhandel.
Lektüretipp von unserer Seite:


  • Stephan Lessenich: Neben uns die Sintflut. Die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis, Hanser-Verlag Berlin 2016 zum sozialen Versagen unserer Weltordnung.


Sonntag, 4. Dezember 2016

Sonntagsnotizen: Streikrepublik Deutschland?

Unter diesem Titel erläutern Klaus Dörre, Thomas Goes, Stefan Schmalz und Marcel Thiel die .
"Erneuerung der Gewerkschaften in Ost und West"
An Hand der Entwicklung vom Jahr 2000 bis zum "Streikjahr 2015" wird die gewerkschaftliche Entwicklung in Deutschland analysiert und genau beschrieben und das "Comeback der Gewerkschaften, insbesondere im Osten der Republik, schlaglichtartig beleuchtet.". *)

Samstag, 3. Dezember 2016

Samstagabend - Zeit für das jüngste Gerücht

Aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen ist zu vernehmen, dass ACU und VdDD mit großem Befremden wahrnehmen, dass sogar namhafte Vertreter von christlichen Parteien dem 2. Weg das Wort reden und sich nur unzureichend zum ökumenischen Projekt "3. Weg" bekennen.

 Vorletztes Gerücht

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Caritas - 2.Weg/3. Weg - der Stand der Dinge in den Tarifrunden 2015-2016 - Update 1. Dezember 2016

Seit dem letzten Update vom 2. November 2016 ist nichts Nennenswertes passiert. Es hat zwar Sitzungen der AK/von RKen gegeben, aber es sind keine Beschlüsse gefaßt worden. 
Aktueller Stand ist also weiterhin: 

Tarifeinigung zwischen Marburger Bund und VKA vom 19.10.2016

- lineare Gehaltsteigerung
- zum 1.9.2016 um 2,3 %
- zum 1.9.2017 um 2,0 %
- zum 1.5.2018 um 0,7 %
- die Stundenentgelte werden entsrpechend dieser Steigerungen erhöht.
Laufzeit: 31.12.2018.

Die Bundeskommission der Arbeitsrechtlichen Kommission hatte noch keine Gelegenheit, sich mit diesem Beschluss zu befassen. Die Regionalkommission NRW hat die Beschlüsse am 28. Oktober 2016 für ihren Bereich übernommen.


Tarifeineinigung im öffentlichen Dienst vom 29. April 2016: Die Bundeskommission der Caritas hatte (siehe unten) am 16. Juni 2016 dieses Tarifergebnis für ihren Bereich mit den entsprechenden Abweichungen übernommen. Inzwischen hatten alle Regionalkommissonen den Beschluss der Bundeskommission vom 16. Juni 2016 auf den Tagesordnungen ihrer Sitzungen. 

Noch keine Ergebnisse gibt es nach wie vor:
- am 30.6.2016 in der Region Ost
- am 29.9.2016 in der Region Ost

Ergebnisse in den übrigen Regionen gab es
- am 22. Juni 2016 in der Region Nord
- am 5. Juli 2016 in der Region NRW
- am 7. Juli 2016 in der Region Bawü
- am 13. Juli 2016 in der Region Bayern
- am 31. August 2016 in der Region Mitte

Mittwoch, 30. November 2016

Wie die Ungleichheit das Wachstum hemmt

Der Spalt zwischen Arm und Reich in Deutschland wächst. Das gefährdet laut einer neuen Studie nicht nur den Zusammenhalt der Gesellschaft, sondern auch die Wirtschaftskraft.
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung untersucht, wie sich Ungleichheit in der Einkommensverteilung auf das Wirtschaftswachstum in Deutschland auswirkt. Kurz gesagt: negativ. Wegen der besonders seit der Jahrtausendwende gestiegenen Ungleichheit sind die Investitionen in Bildung, der private Konsum und das langfristige Produktivitätswachstum gesunken, die Leistungsbilanzüberschüsse gestiegen
.
Die Tagesschau (Zitat oben) hat einen Auszug mit den wesentlichen Daten veröffentlicht: "klick"
Die vollständige Studie finden Sie hier

Populistische Parolen, die Ausländer und Asylbewerber als Ursache der Ungleichheit suchen, und in neoliberalen Konzepten (weniger Sozialstaat, mehr Gewinnwirtschaft) eine Lösung sehen (wie z.B. bei der AfD), bringen nach meiner Überzeugung absolut nichts.
Im Gegenteil.
Deren Programme sind kontraproduktiv. Es ist kontraproduktiv, die Reichen immer reicher und die Mittelschicht und die Armen immer ärmer zu machen.


p.s.:
Wir haben bereits vor 2 1/2 Jahren - am 6. Mai 2014 - auf die Problemlage hingewiesen: "Verteilungsfrage ist Wachstumsfrage"

Dienstag, 29. November 2016

Tarifvertrag Entlastung - Beistand für Klinikbeschäftigte

»Wir lassen die Pflegekräfte und ihre Gewerkschaft ver.di in diesem Kampf nicht alleine. Solidarität ist unsere Kraft!« So heißt es in einem »Beistandspakt«, den der DGB und seine Einzelgewerkschaften am Samstag (26. November 2016) in Homburg an der Saar geschlossen haben. Noch bevor die Tarifbewegung Entlastung in Saarlands Kliniken richtig begonnen hat, machen sie klar: Die Krankenhausbeschäftigten können in der Auseinandersetzung um bessere Arbeitsbedingungen mit Unterstützung aus anderen Branchen rechnen.

»Der Beistandspakt ist ein Signal der Solidarität«, erklärt Rainer Tobae, DGB-Vorsitzender im Saarpfalz-Kreis und einer der Sprecher des »Saarbrücker Appells für mehr Pflegepersonal«. Der Erfolg von Streiks in sensiblen Bereichen wie dem Gesundheitswesen hänge zu einem großen Teil davon ab, ob sich die Menschen im Land soldarisch zeigten. Warum sie das tun sollten, erläutert die Geschäftsführerin DGB-Region Saar, Bettina Altesleben: »Der offensichtlich gewordene Pflegenotstand belastet die Beschäftigen ebenso wie Patient/innen und Bewohner/innen.« Zwar sei die öffentliche Wertschätzung für die Pflegeberufe enorm gestiegen. Doch das reiche nicht. Vorgeschobene Sparzwänge und die Privatisierung von Risiken dürften nicht darüber entscheiden, wie kranke und ältere Menschen behandelt werden. »Das ist zynisch, unsozial, unwürdig. Als Gewerkschafter/innen und als Menschen müssen wir gegen diese Fehlentwicklung ankämpfen«, appelliert Altesleben.

Quelle: Ver.di - Gesundheit/Soziales: Tarifvertrag Entlastung

Veranstaltungshinweis:

Heute in Saarbrücken: Das ganze System ist krank!

Saarbrücker Appell

Montag, 28. November 2016

Es wird höchste Zeit - Entlastung jetzt !

Auf die Frage
"Meinen Sie, dass Sie unter den derzeitigen Anforderungen Ihre jetzige Tätigkeit bis zum Rentenalter ausüben können?"
antworteten 67 % der Befragen im Pflegedienst:
"Nein, wahrscheinlich nicht"
Quelle: Ines Roth, Input Consulting Stuttgart, "Die Arbeitsbedingungen in Krankenhäusern aus Sicht der Beschäftigten - Ein Branchenbericht auf Basis des DGB-Index Gute Arbeit", S. 53;

Bei dem Fachkräftemangel können wir es uns nicht leisten, unsere hochqualifizierten und bewährten Pflegekräfte zu verlieren, weil diese aufgrund der Arbeitsbedingungen selbst krank werden. Gesundheit kann man nicht kaufen - das gilt auch für diejenigen, die in Krankenhäusern selbst tätig sind.

Sonntag, 27. November 2016

Sonntagsnotizen: "...man kann das Feuer auch auspusten und sich dann wundern, dass es dunkel wird"

Prof. Stefan Sell hat in seinem unermüdlichen Blog "Aktuelle Sozialpolitik" am Mittwoch und Donnerstag dieser Woche zwei ausführliche Beiträge zur sozial- und berufspolitischen Situation  in der Pflege gewidmet. Man kann zwar nicht alles lesen, was an Artikeln, Studien, Zustandsbeschreibungen durch die Medien und das Netz geht, aber diese beiden Beiträge lohnen sich:

aktuelle-sozialpolitik - Pflegekräftemangel: Sehenden Auges weiter rein in den großen Fachkräftemangel

aktuelle-sozialpolitik - Pflege & Co. auf der Rutschbahn des Mangels: Mit Schmerzmitteln zur Arbeit. Das Blaulicht bleibt aus, bis die Kopfprämie wirkt. Über einen real existierenden Fachkräftemangel


Wahrnehmbar ist aber auch, dass den kirchlichen Wohlfahrtsverbänden die Pflege ihrer arbeits- und tarifrechtlichen Sonderwege wichtiger ist, als die Bewältigung der Herausforderung, welche die Situation in der Pflege darstellt...