Donnerstag, 25. August 2016

Die Kirche hat das Recht auf gewerkschaftlichen Zusammenschluß anerkannt, verteidigt und gefördert

Die Kirche hat das Recht auf gewerkschaftlichen Zusammenschluß anerkannt, verteidigt und gefördert und dabei eine gewisse theoretische und historische Vorliebe für korporative und bipolare Formen überwunden. Sie hat nicht nur die zahlemäßige Stärke entdeckt, die die Tatsache des Zusammenschlusses zu einer Gemeinschaft mit sich bringen mußte, die auf die Demokratie ausgerichtet ist, sondern sie gewahrte auch die Fruchtbarkeit der neuen Ordnung, die aus der Organisation der Arbeiter erblühen konnte: das Bewußtsein des Arbeiters um seine Würde und seine Stellung im sozialen Gefüge, der Sinn für Disziplin und Solidarität, der Anreiz zu beruflicher und kultureller Vervollkommnung, die Fähigkeit, am Produktionszyklus teilzunehmen, und zwar nicht mehr als bloß ausführendes Organ, sondern in gewissem Sinne auch als mitverantwortliches und mitinteressiertes Glied usw.

Papst Paul VI, Ansprache bei der 75-Jahrfeier von"Rerum novarum" am 22.5.1966, zitiert nach: Texte zur Katholischen Soziallehre, Köln, Kevelaer 2007, S. 401

Mittwoch, 24. August 2016

Tarifrunde Diakonie Niedersachsen 2016


Im zweiten Weg fallen die Tarife nicht vom Himmel, sie müssen erkämpft werden:

Für die anstehende Tarifrunde für die Diakonie in Niedersachsen hat die ver.di-Tarifkommission ihre
Forderungen aufgestellt. Für die 32.000 Beschäftigten in den diakonischen Einrichtungen fordert die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di  
  • 6 Prozent mehr Gehalt
  • Erhöhung der Vergütung für die Auszubildenden um 80 Euro
  • Erhöhung des Nachtzuschlages auf 25 Prozent je Stunde
  • Anhebung der Entgelte für Berufseinsteiger um die Attraktivität der Berufe zu erhöhen 

Den zurzeit gültigen Tarifvertrag Diakonie Niedersachsen (TV DN) gibt es seit September 2014, die Laufzeit endet zum 30. September diesen Jahres. Die Beschäftigten der Diakonie arbeiten in Krankenhäusern, Altenpflegeeinrichtungen, in Einrichtungen der Jugendhilfe, der Behindertenhilfe, der Wohnungslosen- und Flüchtlingshilfe.
„Die Forderungen der Beschäftigten vollziehen das nach, was in anderen Tarifbereichen schon längst vereinbart wurde. Es sind also keine utopischen Forderungen, sondern lediglich das, was in der Gesundheits- und Sozialbranche üblich ist. Damit halten wir Anschluss an die Tarifentwicklung in der sozialen Arbeit“, begründete ver.di-Verhandlungsführerin Annette Klausing die Forderungen.
Die erste Verhandlungsrunde für den Tarifvertrag Diakonie Niedersachsen beginnt bereits am 6. September. 


Quelle (und weitere Informationen):
Pressemitteilung Ver.di Niedersachsen-Bremen

Flugblatt als pdf

Recht auf Streik in der Katholischen Kirche

Bei ihrem Einsatz für die berechtigten Forderungen ihrer Mitglieder bedienen sich die Gewerkschaften auch der Methode des Streiks, das heißt der Arbeitsniederlegung als einer Art von Ultimatum, das sich an die zuständigen Organe und vor allem an die Arbeitgeber richtet. Sie wird von der katholischen Soziallehre als eine unter den notwendigen Bedingungen und in den rechten Grenzen erlaubte Methode anerkannt. Auf dieser Grundlage müßte den Arbeitnehmern das Recht auf Streik garantiert werden, ohne daß ihre Teilnahme daran negative Folgen für sie nach sich zieht. 

Quelle: Johannes Paul II, Laborem exercens, 20

Dienstag, 23. August 2016

Arme und Reiche, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit

Die Liebe zu den Armen ist mit der ungezügelten Liebe zum Reichtum oder mit dessen egoistischem Gebrauch unvereinbar:

„Ihr aber, ihr Reichen, weint nur und klagt über das Elend, das euch treffen wird. Euer Reichtum verfault, und eure Kleider werden von Motten zerfressen. Euer Gold und Silber verrostet; ihr Rost wird als Zeuge gegen euch. auftreten und euer Fleisch verzehren wie Feuer. Noch in den letzten Tagen sammelt ihr Schätze. Aber der Lohn der Arbeiter, die eure Felder abgemäht haben, der Lohn, den ihr ihnen vorenthalten habt, schreit zum Himmel; die Klagerufe derer, die eure Ernte eingebracht haben, dringen zu den Ohren des Herrn der himmlischen Heere. Ihr habt auf Erden ein üppiges und ausschweifendes Leben geführt, und noch am Schlachttag habt ihr euer Herz gemästet. Ihr habt den Gerechten verurteilt und umgebracht, er aber leistete euch keinen Widerstand" (Jak 5,1-6).
Der hl. Johannes Chrysostomus erinnert an diese Pflicht mit den eindringlichen Worten: „Die Armen nicht an seinen Gütern teilhaben lassen, heißt sie bestehlen und ihnen das Leben nehmen. Nicht unsere Güter haben wir in Besitz, sondern die ihrigen" (Laz. 1,6). „Zuerst muß man den Forderungen der Gerechtigkeit Genüge tun, und man darf nicht als Liebesgabe anbieten, was schon aus Gerechtigkeit geschuldet ist" (AA 8).

Quelle: Katechismus der Katholischen Kirche 2445f

Montag, 22. August 2016

Ungleicher Lohn der Caritas-Beschäftigten

...war gestern Thema in NDR-Info Blickpunkt Diesseits

Link zum podcast der Sendung (ab 9:28)

Interessanter Beitrag, der die Konstellation der Caritas im Spannungsfeld Diakonie - öD - private Träger kritisch darstellt.


Sonntag, 21. August 2016

Oswald von Nell-Breuning zum 3. Weg der Kirchen

Der heutige 25. Todestag von Oswald von Nell-Breuning SJ ist für uns Anlaß, mal wieder an einige Zitate zu errinnern, die Pater Nell-Breunings kritische Einschätzung des arbeitsrechtlichen Sonderwegs der Kirchen dokumentieren:

"Keine noch so idealen Vorstellungen von Dienstgemeinschaft vermögen es zu rechtfertigen, Menschen, die nichts weiter wollen als rechtschaffenen Broterwerb und gutes Fortkommen im Leben, ein religiös bestimmtes Dienstverhältnis aufzunötigen, das mehr Opfer und Verzichte abverlangt und weniger Freiheit und rechtliche Absicherung gewährt als ein Arbeitsverhältnis beim Staat oder in der Wirtschaft."

Oswald von Nell-Breuning, Kirchliche Dienstgemeinschaft, Stimmen der Zeit 1977, S. 707

"Die Kirchen sind nicht wie die Unternehmer von Haus aus Arbeitgeber; sie sind vielmehr erst durch die Entwicklung der neueren und neuesten Zeit in diese ihnen an sich fremde Rolle hineingewachsen, ohne sich bis jetzt dieser Tatsache mit allen sich daraus ergebenden Folgewirkungen voll bewusst geworden zu sein. Daraus erklärt sich das Suchen nach dem vermeintlichen „dritten Weg“. Diesen „dritten Weg“ werden sie nicht finden; den „dritten Weg“ gibt es nicht."
[Schlußabsatz von: Arbeitnehmer in kirchlichem Dienst*, aus: Klute/Segbers (Hrsg): Gute Arbeit verlangt ihren gerechten Lohn, *Erstveröffentlichung in: Arbeit und Recht. Zeitschrift für Arbeitsrechtspraxis. Heft 11, Januar 1979.]

"Gelänge es der Kirche (den Kirchen), sich zu den Entschluss durchzuringen, auch für ihre Anstalten und Einrichtungen sich des Tarifvertrags als einer vom staatlichen Recht dargebotenen Möglichkeit "zur Wahrung und Förderung der Arbeitsbedingungen" zu bedienen, dann würde(n) sie nach meiner festen Überzeugung nicht nur sich nicht das Allergeringste vergeben, sondern dürfte(n) sich davon einen hohen Gewinn an Ansehen und Vertrauen in breiten Kreisen der Arbeitnehmerschaft versprechen. - Die Unternehmerschaft hat lange gebraucht, um die hohen Vorzüge unseres Tarifvertragssystems zu begreifen, die selbstverständlich auch ihren Preis kosten. Mein dringender Wunsch ist, dass auch bei den Kirchen diese Einsicht sich bald siegreich durchsetzt."

(aus: Oswald von Nell-Breuning SJ, Kirche(n) als Arbeitgeber, Erstveröffentlichung in ötv-magazin 3/1980, S. 33-35, hier zitiert nach Klute/Segbers (Hrsg.) Gute Arbeit verlangt ihren gerechten Lohn, S. 147)

Samstag, 20. August 2016

Samstagabend - Zeit für das jüngste Gerücht

Aus gewöhnlich gut unterrichten Kreisen ist zu vernehmen, dass die Dienstgeberseite der Regionalkommission Ost sich mit dem Gedanken trägt, ein Angebot zu machen, mit dem die Vergütung in der Region Ost in wenigen Jahren systematisch dem aktuellen Niveau im Westen angepasst werden könnte. So könnte man zum Beispiel die Vergütungen gemeinsam mit dem Umfang der Wochenarbeitszeit jährlich um einen festen Prozentsatz erhöhen, bis das Westniveau der aktuellen Vergütung erreicht ist. Die Höhe der gesetzlich zulässigen Wochenarbeitszeit erlaubt derzeit völlig problemslos die Anpassung der Ost-West-Vergütung.

Freitag, 19. August 2016

Die Tarifautonomie hat sich bewährt...

...Und ich appelliere an die Tarifparteien, dieses bewährte Instrument ... am Leben zu erhalten. Wer versucht, eine vorübergehende Schwäche des Tarifpartners bis zum Äußersten auszunutzen, mag einem kurzfristigen Kalkül entsprechend schlau handeln, aber er schadet dem Gemeinwohl und mittel- bis langfristig auch sich selbst. Man hört durchaus Klagen von Arbeitnehmern verschiedener Branchen, dass ... Arbeitgeber nicht bereit wären, sich mit den Gewerkschaften an einen Tisch zu setzen, um Tarifverträge neu zu verhandeln ... Wer sich so verhält, darf sich dann aber nicht beklagen, wenn ihm die Politik irgendwann einmal einen gesetzlichen Mindestlohn vorschreibt. ....
Reinhard Marx, "Das Kapital - Ein Plädoyer für den Menschen", 2008, S. 123

Donnerstag, 18. August 2016

Während die Einkommen einiger weniger exponentiell steigen, ...

.... sind die der Mehrheit immer weiter entfernt vom Wohlstand dieser glücklichen Minderheit. Dieses Ungleichgewicht geht auf Ideologien zurück, die die absolute Autonomie der Märkte ... verteidigen. Darum bestreiten sie das Kontrollrecht der Staaten, die beauftragt sind, über den Schutz des Gemeinwohls zu wachen.
...
Hinter dieser Haltung verbergen sich die Ablehnung der Ethik und die Ablehnung Gottes. ....

Mittwoch, 17. August 2016

Dienstgemeinschaft verlangt Tarifverträge

Die Dienstgemeinschaft ist ein Ausdruck der Tatsache, dass sich diakonische Einrichtungen und Unternehmen ethischen Anforderungen in besonderer Weise stellen wollen. Der  Grundsatz der Dienstgemeinschaft steht Tarifverträgen nicht entgegen. Im Gegenteil. Tarifverträge sind nicht Ausdruck des Konfliktdenkens zweier einander unversöhnlich konträr gegenüberstehender Parteien. Ihr Ziel ist nicht der Konflikt, sondern die Einigung - dies freilich unter fairer und gerechter Berücksichtigung der Interessen beider Seiten. Dienstgemeinschaft richtig verstanden heißt: partizipations- und konsensorientierte Entscheidungsprozesse zu beschreiten. Tarifverträge gehören dazu.